Schülerzeitung ordentlich rocken!

Ideen finden, Themen suchen, Layout machen und Ausgabe organisieren – Schülerzeitung zu machen ist fast wie ein kleiner Verlag. Manchmal reichen bereits kleine Tipps und Tricks, damit das Werk perfekt wird. Wir wollen dir helfen deine Schülerzeitung auf das nächste Level zu bringen.

„Warum gibt‘s an unserer Schule eigentlich keine SchülerInnenzeitung?“ Mit Fragen dieser Art fängt es meist an. Dabei passiert tagtäglich so viel um uns herum, die einen tauschen eifrig die neuesten Gerüchte aus, andere diskutieren heftig über Krieg und Frieden, wieder andere proben wie besessen für das Theaterstück - und alles geht wieder mal weitgehend unbemerkt an uns vorbei. Da wär‘s doch spannend, alle diese Dinge, mit denen wir uns jeden Tag aufs Neue auseinandersetzen, mal einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren.zeitung So ist dann die Idee geboren: Eine SchülerInnenzeitung muss her! Aber ... wie stelle ich das eigentlich an? Nach bestem Wissen und Gewissen haben wir alles, was wir für eine SchülerInnenzeitung wichtig finden zusammengeschrieben und mit Materialien ergänzt

Die wichtigsten Themen des Handbuches:
  • Gemeinsam eine SchülerInnenzeitung organisieren
  • Wie schreibe ich den perfekten Artikel?
  • Das Layout - Die Dachzeile unterbringen und Hurenkinder vermeiden
  • Lehrer: Betreten der Baustelle verboten?
  • Digital: Schülerzeitung 2.0
  • Money, Money, Money: Wie finanziere ich mich?
 

Wir wollen es noch besser machen – Für eure Vorschläge wären wir euch dankbar. Teilt uns doch bitte auch mit, wenn euch etwas fehlt oder unklar ist, damit wir das in Zukunft berücksichtigen können. Nehmt doch einfach mit uns Kontakt auf.

 

Startschuss – Der Redaktionszusammenschluss

Du willst eine SchülerInnenzeitung an deiner Schule machen? Dann los: Sprich MitschülerInnen an, die vielleicht Lust aufs Medienmachen haben könnten. Das können Menschen sein, die Fotoaffin sind, Geschichten auf dem Papier zum Leben erwecken oder mit dem Computer zaubern können. Ansprechen ist meist die ergiebigste Methode, Leute zum Mitmachen zu animieren. Vereinbare mit den ersten InteressentInnen einen Termin, zu dem ihr euch schon ein paar Gedanken macht, wie der Start aussehen könnte. Diesen Termin machst du bekannt über Aushänge auf dem Schulgelände und am schwarzen Brett, über den SchülerInnenrat, und vielleicht auch über einen Artikel in der Schulzeitung. Eine Ansprechperson mit Angabe der Klasse sollte dabei auch genannt werden.

Egal ob MitschülerInnen, die Fotoaffin sind, Geschichten auf dem Papier zum Leben erwecken oder mit dem Computer zaubern können, jeder einzelne wird gebraucht!

Auf dem ersten Treffen, am besten in Ruhe nach Schulschluss, könnt ihr euch erst mal beschnuppern und erste Überlegungen zur Zeitung austauschen. Nach und nach werden sich dann die Interessenschwerpunkte zeigen, manche werden vielleicht auch nie wieder erscheinen. Eine Gruppe, die gut zusammen arbeiten kann, ist sicher wichtig, verschiedene Interessen müssen aber auch vorhanden sein. Denn nur so kann sich eine gesunde Vielfalt entwickeln. Die ideale SchülerInnenzeitungs-Redaktion gibt es nicht. Freut euch also erst einmal, wenn ihr viele interessierte und motivierte Leutchen seid!

Zensur – Wir nehmen kein Blatt vor den Mund!

Weggewischtes LachenDer Artikel 5 des deutschen Grundgesetzes garantiert die Meinungs- und Pressefreheit in Deutschland. Seit 1991 dürfen SchülerInnenzeitungen in Hamburg laut einer Richtlinie der Schulbehörde Hamburg nicht mehr zensiert oder kontrolliert werden. Auch wenn es sich hart anhört: Wird ein Artikel aus Angst vor Konsequenzen umformuliert oder gar nicht abgedruckt, so ist das Zensur – nämlich Selbstzensur. Angst ist die Hauptursache für Selbstzensur. Angst kann in vielen Formen auftreten z.B. Angst vor rechtlichen Konsequenzen, Angst vor schlechten Zensuren oder Angst vor Nicht-Anerkennung in der Klassengemeinschaft.

Schülerzeitungen haben es schwerer als professionelle Zeitungen. Die jungen Redakteure sind in der Schule einem Machtsystem ausgeliefert, das von der Schulleitung über die Lehrer nach unten führt. Das heißt, sie müssen Sanktionen befürchten, wenn sie mit schwierigen Themen umgehen. Junge Journalisten müssen mit Eingriffen der Lehrerschaft rechnen und damit, dass ihnen bestimmte Themen aus der Schülerzeitung genommen werden - sie sind nicht völlig frei. STERN-Chefredakteur Hans-Ulrich Jörges

Die Angst vor dem eigenen Wort sollte euch aber nicht davon abhalten für eure Meinung einzustehen. Manchmal gehört Mut dazu, ungeliebte Tatsachen und Meinungen zu verbreiten und gegen den Strom zu schwimmen. Die SchülerInnenzeitung bietet eine Möglichkeit dazu: Weder hierarchische Strukturen noch strenge Arbeitsteilung oder einseitige finanzielle Abhängigkeit behindern es, eigene Standpunkte zu vertreten. Ihr habt also die Freiheit, euch vom sonstigen Pressebrei abzuheben und das zu vertreten, was euch wichtig ist.

Falls du dir im Einzelfall unsicher bist, solltest du nicht gleich einen Rückzieher machen. Frage also im Zweifelsfall einfach Leute, die sich besser damit auskennen als du, zum Beispiel die Junge Presse Hamburg. Als Mitglied des Vereines bieten wir dir eine kostenfreie Rechtsberatung und Unterstützung an. Mehr dazu gibt es auf jphh.de/mitglied-werden.

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Rechtliches – Ist das überhaupt erlaubt?

Jeder Mensch darf seine Meinung äußern und verbreiten. Eine Meinung ist eine wertende Stellungnahme. Wie sieht’s aber mit Nachrichten aus? Auch das Äußern und Verbreiten von Tatsachen ist von der Meinungsfreiheit geschützt, denn sie bilden die Voraussetzung dafür, dass wir uns Meinungen bilden können. Auch „unpolitische“ Meinungen – zum Beispiel über das Programm der letzten Klassenreise oder Lehrer Meiers Unterricht – sind vom Grundgesetz geschützt. Nicht geschützt ist die wissentliche Behauptung falscher Tatsachen.

Informationsfreiheit

Neben der Meinungsfreiheit garantiert der Artikel 5 des Grundgesetzes auch die Informationsfreiheit. Diese bedeutet vor allem, dass jedeR lesen, hören und sehen darf, was er/sie möchte. Außerdem bedeutet Informations-freiheit, dass der Staat – also auch die Schule – eure Recherchearbeit nicht behindern darf. So darf die Schulleitung zum Beispiel eine Umfrage auf dem Schulhof nicht verbieten, wenn sie nicht den Schulbetrieb stört.

Brief- und Postgeheimnis

Wichtig für SchülerInnenzeitungen ist auch das Brief- und Postgeheimnis (Artikel 10 Grundgesetz): Die Schulleitung oder das Schulsekretariat darf an die SchülerInnenzeitung adressierte Postsendungen nicht öffnen. Das Öffnen ist sogar strafbar! Solche Sendungen müssen vielmehr unverzüglich an die SchülerInnenzeitung weitergeleitet werden.

Briefkastenschlitz im Dunkeln Pressefreiheit

Die Presse ist frei (...) Sondermaßnahmen jeder Art, die die Pressefreiheit beeinträchtigen, sind verboten.“ So steht es im ersten Paragraphen des Hamburgischen Pressegesetzes. Zensur, Kontrolle oder Vertriebsverbot durch die Schulleitung sind also nicht erlaubt.

Pressefreiheit

Die so geschützte Presse ist jedoch gemäß § 6 zur Sorgfalt verpflichtet. Jede Nachricht muss auf Wahrheit, Inhalt und Herkunft geprüft werden, bevor sie gedruckt wird. Bevor ihr also Tatsachenbehauptungen verbreitet, befragt die/den BetroffeneN dazu. Bestreitet sie/er es, bietet es sich an, die verschiedenen Ansichten darzustellen, wobei ihr der für euch glaubwürdigeren Darstellung mehr Raum geben könnt. Der Deutsche Presserat hat Verhaltensregeln für Zeitungen formuliert, in denen die Sorgfaltspflicht näher erläutert wird. Sie sollten auch von SchülerInnenzeitungen beachtet werden – den Pressekodex findest du direkt beim Presserat unter www.presserat.de/pressekodex.

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Fotos: Junge Presse Hamburg e.V. ; Jugendpresse Deutschland / Samuel Grösch; "Liv Stephan", "jessy seywald" / www.jugendfotos.de, CC-Lizenz(by-nc-nd)